Waldaukapelle Bern - Genna Website 2018

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Waldaukapelle Bern

Eine sehr spezielle Ambiance bietet diese Barockkapelle neben der psychiatrischen Universitätsklinik. Erbaut wurde sie als "Siechenhaus"-Kapelle: bei ansteckenden Krankheiten wurden die Leute hier abgesondert in einer Art Spital, weitab von der Stat Bern, heute im Dreieck Ostermundigen, Bolligen und Wankdorf mit dem Bus gut erreichbar, damals aber wohl wirklich abgelegen. Die Anfänge der Kapelle reichen ins 15. Jahrhundert zurück, die heutige Gestalt ist weitgehend 1682 entstanden. Aus dieser Zeit stammt auch die 1972 restaurierte dekorative Gewölbedecke, ein Juwel erster Güte. Ebenso eindrücklich die Kanzel und die Türdekorationen. Leider wurden die ursprünglichen Glasfenster entfernt, sie sollen sich nun im historischen Museum Bern befinden.
In dieser Kapelle finden regelmässig Gottesdienste statt. Am 8. Juli 2018 konnten wir einen sehr schönen und inhaltlich interessanten Gottesdienst von Pfarrerin Barbara Schmutz besuchen  - es war eine echte Bereicherung, wie sie in verständlichen Worten auf das Spannungsfeld von Glauben und Zweifeln einging und Mut machte, sich mit dem eigenen Glauben und zu den Gefühlen dazu zu befassen. Gerade im Klinikumfeld werde sie etwa gefragt: "Glauben Sie, Frau Pfarrerin"? In der Gemeinde sei dies nie vorgekommen, d.h. also: in der Kliniksituation sind die Menschen für letzte Fragen wohl stärker sensibilisiert. Eine echt reformierte Predigt! Leider waren nur wenige Zuhörerinnen anwesend, obwohl der Gottesdienst in dieser Qualität einen Grossandrang verdient hätte.
Warum wir dort waren? Ganz einfach: Margret spielt seit einigen Monaten in einem zusammengewürfelten Ensemble der Musikschule Thun. Geleitet wird das Ensemble von André Müller, welcher der Musikschulleitung angehört und alle Stücke neu arrangiert: Margret am Piano, unsere Nachbarin Magdalena Aeberhard am Hackbrett, dazu zwei Harfen, zwei Saxophone und Müller selber spielt ein schwedisches Streichinstrument (Nyckelharpa). Ganz schön, was diese Gruppe schon gelernt hat  - und Margret hat Riesenspass am Zusammenspiel.
Die Zukunft dieser Kapelle ist ungewiss, weil die Klinik seit einigen Jahren nun eine Aktiengesellschaft ist und nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird. Können wir uns solche Oasen der Stille und der Erbauung heute noch leisten in der Leistungsgesellschaft, welche alles nach wirtschahftlichen REsultaten misst? Leider wird unsere Generation wenig Bleibendes hinterlassen, sondern viele Verantwortliche von Kirche und Staat sind sogar stolz, wenn sie "zurückbauen" und "liquidieren" können  - welch armselige Vision im Vergleich zum Glauben und zur Kraft jener, welche unsere Kirche aufgebaut und im 16. Jahrhundert in einer wirtschaftlich viel schwierigeren Zeit reformiert haben. Eigentlich verdienen wir den Begriff "Reformierte Kirche" nicht mehr: vielleicht heisst es bald  "Liquidierte Kirche"? Dies obwohl das Bedürfnis nach Unterstützung bei der Suche nach einem sinnvollen Leben grösser ist denn je.
Die Orgel ist nicht Original, sie wurde erst mit der letzten Renovation 1972 neu eingebaut, der Prospekt datiert allerdings von 1845, er wurde damals für die Kirche Walperswil erstellt. Warum er nun in die Waldaukapelle gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.


rechts: André Müller und Margret Genna-Stalder
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