Johanneskirche Thun - Strättligen eine Skulptur aus Sichtbeton - Genna Website 2018

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Kirchen im Berner Oberland > Johannesskirche Strättligen
Die Johanneskirche Thun Strättligen  -  christliche Betonskulptur aus den 60-er-Jahren

Die Johanneskirche Dürrenast wurde 1965 - 1967 erbaut, also in der Zeit, als ich Konfirmand in Strättligen war. Wurde ich noch in Scherzligen konfirmiert, so war der Jahrgang meines Freundes 1951 dann der erste, der in der Johanneskirche konfirmiert werden konnte. Früher mussten die Dürrenästler sogar in die Stadtkirche, weil es keinen geeigneten Raum gab. Wir im Dürrenast sehnten uns nach einer "Heimat".
Umso mehr bin ich erstaunt, dass ausgerechnet ein Pfarrer, der in den 70-er-Jahren in dieser Kirche mit angrenzendem Kirchensaal von 700 Kirchengliedern gewählt wurde (heftige Kampfwahl) an vorderster Front für die Schliessung der Kirche kämpft. Deshalb braucht es eine Initiative zum Erhalt der speziellen Kirche (Pro Johanneskirche Strättligen); wie die Abstimmung ausgeht, ist im Moment ungewiss. Wird die Initiative abgelehnt, so wird die Kirche, deren Substanz absolut intakt ist und viele auch kirchenferne Nutzungen aufweist, ende 2018 definitiv geschlossen. Ob sie dann verkauft, einfach vernagelt oder gar abgerissen wird, ist nie offen gelegt worden. Wer moderne Architektur versteht, wird bald spüren, dass diese Kirche kein langweiliger Zweckbau ist, sondern Qualitäten hat  - natürlich nicht vergleichbar mit der romanischen Scherzligenkirche oder der patrizischen barocken Stadtkirche auf dem Schlossberg. Es ist eine Kirche für das einfache Volk, für Arbeiter, Bewohner der Genossenschaftswohnungen rundum, für nüchtern denkende, vielleicht auch "kirchenferne" Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts, welche aber bei der Kirche bleiben, weil sie den sozialen Gedanken gut finden und weil sie die Kirche auch als "quartierprägend" empfinden. Ob sie deswegen schlechtere Christen sind als die Kerngemeinde und angestellte Kirchenprofis?
Der frühere Denkmalpfleger der Stadt Bern, Dr. Bernhard Furrer, hielt am 5.4.2018, ein höchst interessantes Referat mit Führung vor und im kirchlichen Zentrum. Er bezeichnet diese Kirche als eine der bedeutendsten Bauten aus der Zeit des Sichtbetons. Architekt war Werner Künzi, ein erfolgreicher Architekt mit Heimatort Uebeschi, der auch die Kirche Bethlehem-Bern entworfen hat. Künzi hat viele Wettbewerbe gewonnen, immer wenn er teilgenommen hat, gehörte er rasch zu den Favoriten, auch in Strättligen stellte er sich dem Wettbewerb.  Hier finden Sie noch eine kurze Zusammenfassung, im Thuner Tagblatt erschien ein umfassendes und sehr gutes Interview mit Dr. Furrer. Die Kirche ist eine eigentliche Skulptur aus Sichtbeton, die mit vielen verborgenen Symbolen zu uns spricht: die Dachform entspricht den ausgebreiteten segnenden Armen, der freistehende Turm weist auf die göttliche Dimension hin, und im Inneren sorgen viele kaum sichtbare Details für eine ganz besondere Atmosphäre: nicht parallele Wände ergeben eine perfekte Akustik ohne Ueberlagerung der Schallwellen, Oberlichter mit Betonlamellen sorgen für blendfreies Licht auf der Kanzel, die Kanzel ist so aufgestellt, dass sich der Pfarrer bei geöffneter Trennwand gleichzeitig an die Menschen in der Kirche wie im Pfarrsaal wenden kann.
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