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Was heisst da "alte Damen" ?
Für mich sind die "Herbstzeitlosen" der schönste Schweizer Film seit den "Schweizermachern", nicht nur, weil er Erfolg hat, sondern auch, weil er in jeder Beziehung gut gemacht ist. Zurückzuführen ist dies auf eine sehr einfühlsame Regie mit einer ruhigen und zielsicheren Kameraführung, auf Schauspielerinnen der höchsten Güteklasse, und auf eine Story, die zwar nicht umwerfend originell ist, aber in ihrer Naivität und mit ihrem Witz ein Stück Schweizer Land-Realität in der Fiktion näher bringt. Wer Bettina Oberlis ersten grossen Film gesehen hat, sollte nun nicht erwarten, dass die Regisseurin nur für leichte Stoffe zu haben ist, mit Tannöd hat sie eine Land-Realität der düsteren Sorte nachgezeichnet. Welch ein Gegensatz: Am Silvester sahen wir "Tannöd" im Kino, am Neujahrsabend 2010 drehen wir das Rad rückwärts zu den "Herbstzeitlosen". Und effektiv: wenn man den Schalk und die Lebensfreude der Damen Stephanie Glaser, Heidi Maria Glössner, Annemarie Düringer und Monica Gubser ansieht, dann wähnt man sich wirklich zeitlos und kommt zum Schluss, dass Jugend keine Frage des Alters ist.
Medientipp: Schweizer Fernsehen 1.1.2010, 20.00 Uhr
Nachtrag:
Den Film habe ich nun sicher zum fünften oder sechsten Mal gesehen, und ich habe mich immer noch über jede Pointe gefreut - ein Zeichen dafür, dass Bettina Oberli hier wirlich ein Meisterwerk gelungen ist, ein schweizerisches Meisterwerk notabene, das man wohl nur versteht und nachfühlen kann, wenn man in dieser "heile-Welt-Sphäre" aufgewachsen ist. Mag sein, dass die heile Welt verlogen und doppelbödig ist, aber der Film kommt ohne Verurteilungen und Belehrungen aus, sondern lässt das Gute und die Freude, das Gesunde und Fröhliche obsiegen, während die bigotte Welt derjenigen, die das Sagen haben, einfach der Lächerlichkeit preis gegeben wird.
Der Film ist ein Sieg des Amerika-Lisi über die LLP. Das Amerika-Lisi war zwar nie in Amerika, sie hat ihren Lebensplan zugunsten ihrer Mutterpflichten geändert, ihren Traum hat sie nie aufgegeben und hat in ihm gelebt, sodass sie letztlich nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann. Diese Träumerei gibt ihr Kraft, erst als der Traum durch eine Verletzung des Seelsorgegeheimnisses zerstört wird, weicht auch die Lebenskraft. Der Gemeindepräsident der LLP Land- und Leute-Partei hingegen mit seinem bestechungs-nahen Buure-Zmorge und den ewig gleichen Sprüchen fischt im Trüben, richtet aber im Altersheim am Schluss nichts aus. Wer sich betupft fühlt, möge sich betupft fühlen.....
1.1.2010 / GEA
sf1.tv
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