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Kultur > Ausstellung, Museum
Die Schweiz in Photographien 1840 bis 1960 im Landesmuseum Zürich
Es ist gewiss keine spektakuläre Ausstellung, die im Landesmusuem zu sehen ist. Alte Photographien haben es in sich, dass sie sich nicht bewegen, dass sie keine Geräusche von sich geben, dass sie einfach schwarz-weiss oder allenfalls leicht koloriert an den Wänden hängen - und warten, dass man sie von nahem betrachtet Denn die Fotos, die das Landesmuseum hier aufgehängt hat, sind kleinformatig, alle zwar wunderschön erhalten, aber eben: der Zeit entsprechend. Gerade dieses Unaufdringlich-Unspektakuläre erlaubt uns, unseren eigenen Gedanken nachzugehen, uns die Story hinter den vordergründigen Bildern selber auszudenken und uns in die Zeit hinein zu versetzen, in der die Bilder entstanden sind.
rechts: Oswald Ruppen, Arbeiter beim Bau des Kraftwerks Grande Dixence. Klicken Sie auf die Foto, um zur Website des Landesmuseums zu gelangen!
Nimmt man sich die Zeit und geht näher heran, achtet auf Details und auf die Aussagekraft der Bilder, dann wird man dafür belohnt mit einer Fülle von Informationen über die Entwicklung des Leben von damals bis heute, "vom Agrarstaat zum Dienstleistungsstaat Schweiz". Da sieht man den alten Viehmarkt an der Stadtmauer von Thun im Grabengut, man verfolgt den Bau von Passstrassen in den Alpen, man ist hautnah dabei, wenn ein Arbeiter im Stollen das Grande-Dixence-Kraftwerk baut. Gerade dieser Arbeiter im Stollen ist sehr eindrücklich: man hört den Presslufthammer, riecht den Staub des weggebohrten Gesteins, fühlt den Schweiss auf der Stirm des Arbeiters..... Auch ein Blick in Fabrikhallen ist uns vergönnt, oder ebenso bezeichnend das Photo des patriarchalen Fabrikherrn mit seinen Arbeiterinnen und Arbeitern, in keinem Moment ist zweifelhaft, wer der Chef, wer die Arbeiter sind, aber doch gehören sie hier noch zusammen, spürt man den Stolz des Unternehmers auf seine Unternehmung, zu welcher auch seine Belegschaft gehört - man mag das kritisieren, aber man sollte daran denken, dass diese Unternehmer noch ein Ehrgefühl hatten, eine soziale Verantwortung trugen, die ihnen heute angeblich der Staat abnimmt, womit sie sich als "Manager" skrupelfrei aufführen dürfen.
Es sind keine "Schnappschüsse", die frühere Photographen gemacht haben, in der Regel posieren die Menschen, bereiten sich vor, schauen in die Kamera und wollen sich und ihre Tätigkeit im besten Lichte zeigen. Wenn die Lehrlinge der Obstbaumschule eine Pyramide auf einem Apfelbaum machen, dann duften die Aepfel, auch wenn zur Winterszeit keine solchen zu sehen sind. Dies ist nicht anders als wenn heutzutage der Synodalrat und der Kirchenschreiber hinstehen, um sich für den Tätigkeitsbericht ablichten zu lassen; da spürt man förmlich eine farbenfrohe, fröhliche, zukunftsweisende, jugendliche und (gender-)gerechte Kirche..... Sie haben also die Wahl: entweder besuchen Sie die Ausstellung im Landesmuseum, oder Sie bestellen beim Kommunikationsdienst der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn den nächsten Tätigkeitsbericht.... :-)
19.2.2010 / GEA
Links: Fritz Fankhauser, Obstbaukurs der Landwirtschaftlichen Schule Schwand, in Biglen. Klicken Sie auf das Bild, um zur Website des Landesmuseums zu gelangen.